Auktionen 430/431

27. - 29. April 2022

Antike - Mittelalter - Neuzeit - LOts

Sammlung Dr. Eckhard Plümacher - Sammlung Burkhard Graichen

Wie bereits in unserer letztjährigen Frühjahrsauktion wurden die Erwartungen aller Beteiligten einmal mehr übertroffen. Dies zeigte sich ganz besonders bei qualitätvollen antiken Münzen, aber auch bei den neuzeitlichen Geprägen, insbesondere der Spezialsammlung Graichen.

Im ersten Teil der Auktion 430 wurde mit 28.000 € für eine attische Didrachme (Los Nr. 46, SP 7.500 €) ein erstes Zeichen gesetzt, wie robust die Preise für griechische Raritäten sind. Die 8.000 € für das hübsche 60-Asses-Stück der römischen Republik (Nr. 101, SP 6.000 €) setzten dann eine Marke für die folgende Strecke gut erhaltener Denare, die sich großer Nachfrage erfreuten (z. B. Nr. 131 für 800 € bei einer Taxe von 150 €), ebenso wie die byzantinischen Münzen (Hyperpyron des Alexios I., Nr. 334, zu 1500 € bei einer Taxe von 350 €).
Am Nachmittag nahm dann das Auktionsgeschehen mit der Versteigerung der Slg. Dr. Plümacher dann richtig Fahrt auf. Insgesamt wurde hier die Schätzung fast verdreifacht. Hier zeigt sich, dass anspruchsvolles Sammeln in Verbindung mit der hochwertigen Präsentation einer geschlossenen Sammlung für weltweites Aufsehen sorgt. Angesichts der zahlreichen Rekordzuschläge, die zum Teil Bestmarken der jeweiligen Münztypen darstellen, seien hier nur einige wenige Highlights erwähnt: Die rare Tetradrachme des Mithradates IV. (Nr. 3177) erzielte bei einer Schätzung von 25.000 € einen Zuschlag von 135.000 € - sicher auch dank ihrer herausragenden Provenienz. Eine Löwenkopf-Tetradrachme von Rhegion (Nr. 3026) fand erst mit einem Gebot von 38.000 € (Schätzung 7.500 €) ihren Käufer. Eine außergewöhnlich fein geschnittene sikulopunische Tetradrachme (Nr. 3072) wurde von einer Schätzung von 5.000 € auf 32.000 € getrieben. Der Preis einer weiteren sizilischen Tetradrachme (Nr. 3059) stieg von 3.000 € auf 26.000 €, mithin um mehr als das Achtfache. Das mit 5.000 € moderat taxierte Titelstück (Nr. 3168), das der Einlieferer in unserer Auktion 421 (2019) für damals beachtliche 9.000 € erwarb, erzielte nun 22.000 € und darf als repräsentativ für die Preisentwicklung qualitätvoller antiker Münzen in den letzten Jahren gelten.
Auch die römischen Münzen waren hart umkämpft. Rekordhalter in Bezug auf die Steigerungsrate war eine römische Semuncia in bestechend guter Qualität (Nr. 3349, von 200 € auf 2.200 €), gefolgt von einem Denar mit einem besonders lebendigen Bildnis des Pompeius (Nr. 3402), dessen Preis auf 20.000 € hochgetrieben wurde (Schätzung 1.000 €). Ein besonders seltener Sesterz des Balbinus (Nr. 3529) stieg von 2.500 € auf 15.000 €.
Und schließlich wurden auch die Raritäten unter den Provinzialprägungen von den jeweiligen Kennern erkannt, sodass eine kyzikenische Großbronze für Caracalla (Nr. 3651) von 500 € auf 4.800 € gesteigert wurde.

Wenn trotz der allgemein hohen Steigerungsrate zahlreiche Münzen im Bereich der Schätzung oder sogar darunter zugeschlagen werden konnten (beispielsweise eine schöne Drachme des Eukratides, Nr. 3334, mit einer Provenienz von 1973 zu 160 €), zeigt dies, dass es sich immer lohnt, unsere Auktionen aufmerksam zu verfolgen und im richtigen Moment „zuzuschlagen“.

 

Nach der überaus erfolgreichen Versteigerung der antiken Münzen folgte am Donnerstag vor deutlich anderem Publikum die Auktion der neuzeitlichen Münzen des In- und Auslandes. Obwohl im ausländischen Angebot die fünfstelligen Spitzen fehlten, wurden doch im mittelpreisigen Segment durchweg gute Ergebnisse erzielt. Die Taxe wurde fast überall übertroffen, im Ganzen um 60%. Besonders gute Erhaltungen wurden wiederum gewürdigt, so zum Beispiel die schöne Serie englischer Münzen von 1704-1901 (Nrn. 546-568).
Auch Gold fasziniert weiterhin und erzielte hohe Preise. Danach folgte eine solide bebotene Serie Taler der Habsburgischen Erblande. Hier war der ostmitteleuropäische Markt durch das Internet stark beteiligt, und die Münzen verkauften sich um 40% über der Taxe. Danach folgte das wie üblich breite Angebot altdeutscher Münzen und Medaillen in allen Metallen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Ein brandenburg-preußischer „Guineadukat“ 1683 (Nr. 837) erzielte den stolzen Zuschlag von 23.000 Euro. Auch die gepflegte Sammlung von Doppeltalern des 19. Jhs. wurde durchweg gewürdigt und Einzelstücke erzielten häufig vierstellige Zuschläge. Auch in diesem Gebiet wurde die Schätzung um über 40% übertroffen.
Das Sammelgebiet der Münzen des Kaiserreichs zeigte sich wie in der Vergangenheit stabil auf hohem Niveau.

Am Freitag folgte mit den 569 Losen der Sammlung Burkhard Graichen der mit Spannung erwartete Höhepunkt der 430. Auktion. Die Einzigartigkeit der Sammlung hatte sich im Vorfeld weit genug verbreitet, und die Möglichkeit seiner Sammlung größte Raritäten oder Unikate zuzuführen, hatte Sammler wie Händler in großem Maß erreicht. Diese zahlreichen Raritäten wurden im Saal wie im Internet meist lang umkämpft bis Preise gefunden wurden, die dem Lebenswerk des verstorbenen Sammlers die verdiente Würdigung zu Teil werden ließen. Obwohl die Sammlung ganz überwiegend aus den oft vernachlässigten Kleinmünzen bestand, gab es in allen Bereichen großes Interesse. Eine Aufzählung der Spitzenresultate ist in der Kürze des Textes schlechterdings unmöglich. Es sei deshalb in aller Kürze auf die demnächst erscheinende Ergebnisliste verwiesen. Aussagekräftig genug sollte sein, dass die Zuschläge der kompletten Sammlung 80% über der Taxe lag. Die wenigen Restanten können im Nachverkauf oder mit deutlich reduzierten Ausrufpreisen in der Herbstauktion der Fa. Dr. Peus Nachf. erstanden werden.
Den Abschluss bildeten wie immer günstig getaxte Lots, die mit gewohnt guten Ergebnissen eine überaus erfolgreiche Auktion abschlossen.

Wir bedanken uns bei allen Einlieferern, die mit ihren attraktiven Sammlungen und Einzelstücken eine schöne und vielseitige Auktion ermöglicht haben. Gleichermaßen bedanken wir uns bei allen Käufern, die im Saal oder von zu Hause dazu beigetragen haben, dass das Gesamtergebnis der Auktion die Schätzung verdoppelte.

Unverkaufte Münzen stehen noch 5 Wochen zum Nachverkauf. Sie können zu 80% der Schätzung zu den üblichen Auktionsbedingungen erworben werden.