Auktionen 432/433

1. - 3. November 2022

Auktion 432: Sammlung Peter Kress - Sachsen-Hildburghausen


Tiefer und weit umfangreicher als die von Jenny-E. Hollmann 1994 veröffentlichte „Münzgeschichte des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen“ ist der von Peter Kreß in den Thüringer Jahrbüchern 15 (2004) und 17 (2006/2007) veröffentlichte „Kurzkatalog der Gepräge von Sachsen-Hildburghausen mit Anhängen“. Natürlich baut der Autor und Sammler, wie er selbst sagt, auf den Arbeiten seiner verdienstvollen Vorgänger auf, doch die dynastische Verflechtung des Herzoghauses, sowie die Münzgeschichte über das Herzogtum hinaus, wurde nie so kompakt zusammengetragen, wie von Peter Kreß im genannten Werk. Leider hat dieser Katalog nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten, die es wegen seiner Vollständigkeit verdient hätte. Dies mag v.a. dem Umstand geschuldet sein, dass das Werk unbebildert geblieben ist. Nach 50 Jahren Sammeltätigkeit und nach mehr als 15 Jahren des Erscheinens seines Kurzkatalogs, kann nun diese schmerzhafte Lücke geschlossen werden. Die Sammlung Kreß ist nicht die vollständige Bebilderung seines Katalogs. Der Autor und Sammler hatte den Ehrgeiz, die gesamte Münzgeschichte und nicht nur seine Sammlung zu präsentieren. Trotzdem ist die nun zur Versteigerung kommende Sammlung wohl die kompletteste, die je zu diesem Gebiet zusammengetragen wurde und bietet daher dem Typen- wie Variantensammler erstmals einen genauen Eindruck vom Münzbild. Seine Sammlung hat daher Zitiercharakter.
Neben dem überschaubaren Sammelgebiet des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen liegt der besondere Wert der Sammlung in ihren Querverweisen zu dynastischen Verbindungen. Wer ist sich heute noch bewusst, dass die Theresienwiese, auf der das weltbekannte Münchner Oktoberfest stattfindet, nach der bayrischen Königin und geborenen Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen benannt ist? Medaillen und Geschichtstaler mit ihrem Namen oder Konterfei gehören genauso zu Hildburghausen wie zu Bayern und finden in dieser Sammlung ihren Platz. Die Prinzessin Marie, spätere Königin von Hannover lenkt den Blick auf Braunschweig-Hannover, die Prägungen der Münzstätte Hildburghausen für das Herzogtum Sachsen-Meiningen auf die Thüringer Nachbarschaft.
Kurz gesagt: Es handelt sich um weit mehr als die Sammlung eines Duodezfürstentums. Ein Blättern lohnt sich für jeden Sammler, es mag Überraschungen geben!

 


Auktion 433: Antike - Mittelalter - Neuzeit - LOts


Die Antikenpartie der Herbstauktion (Nr. 433) des Hauses Dr. Busso Peus Nachf. setzt sich aus zahlreichen kleineren und größeren Einlieferungen zusammen, von denen zwei besondere Würdigung verdienen. Die Sammlung eines Provenienz-Enthusiasten deckt die gesamte griechische Welt ab und legt einen Schwerpunkt auf die Magna Grecia, deren Ästhetik den Sammler besonders begeistert. Neben der überdurchschnittlichen Qualität ist es auch die Sammlungsgeschichte, die diese Münzen auszeichnet. So kommt es, dass allein unter den 417 griechischen Münzen dieser Auktion 90 Literaturzitate auf “dies Exemplar” enden. Hier handelt es sich also um Münzen, die in den jeweiligen Referenzwerken zitiert, meist sogar abgebildet wurden.
Titelstück dieser Auktion ist eine prachtvolle Tetradrachme von Rhegion mit frontalem Löwenkopf (1073). Sie stammt aus der Sammlung des Prinzen Chatkowski, die 1908 in Wien versteigert wurde. Die hübsche Tetradrachme aus dem makedonischen Akanthos (1139) stammt nicht nur aus der berühmten, 1907 versteigerten Sammlung von Konsul Hermann Weber, sondern auch aus der des Großsammlers Edward Wright Wigan (1823-1871), die 1872 in Paris verkauft wurde. Somit reicht das “Pedigree” dieser Münze fast so weit zurück wie die Anfänge der Fa. Dr. Busso Peus Nachf. (1870). Auch die sehr seltene Tetradrachme des thrakischen Kleinfürsten Skostokos (1213) lässt sich bis in das Jahr 1913 nachverfolgen und fand selbstverständlich in der maßgeblichen Studie zu diesen enigmatischen Prägungen Berücksichtigung. Die Tetradrachme des baktrischen Königs Euthydemos (1393) aus der berühmten Sammlung des Bankiers Frédéric-Robert Jameson (1861-1942) hat ebenfalls einen Platz in dem entsprechenden Standardwerk – leider wurde eine Besonderheit der Münze dort jedoch nicht erkannt.
Die Sammlung eines Schwanenfreundes umfasst nicht nur die Antikenpartie von Auktion 433, sondern reicht bis in die Neuzeit hinein. Es handelt sich um eine Motivsammlung, deren Anspruch auf Vollständigkeit im Bereich der antiken Münzen seiner Sammlung rasch deutlich wird. So finden sich auch sehr seltene Städte, die das Schwanenmotiv wählten, zum Teil auch nur als Beizeichen. Besonders adrett ist eine Didrachme von Kamarina, auf deren Revers die namensgleiche Nymphe von einem Schwan emporgetragen wird (1089). Äußerst selten und sehr attraktiv ist der Stater von Argos aus der berühmten Sammlung “BCD”, auf dessen Rückseite zwei Delfine einen Schwan umkreisen (1188). Die zugehörigen, nicht minder seltenen Drachmen aus der gleichen Sammlung gelangen ebenfalls zur Versteigerung (1189-1190). Den Silbermünzen von Klazomenai (1249-1271) verleiht nicht allein das Schwanenmotiv, sondern auch der in Dreiviertelansicht gezeigte Apollonkopf ästhetischen Reiz. Besonders hervorzuheben ist hier eine Tetradrachme mit fliegendem Schwan (1270). Auf die zahlreichen Seltenheiten unter der kilikischen Schwanenmünzen hinzuweisen, hieße wiederum Schwäne nach Mallos zu tragen (1330-1362).
Neben den erwähnten Delikatessen der griechischen Numismatik finden sich auch einige Stücke von besonderem geldhistorischen Wert wie eine äußerst seltene attische Didrachme aus der sog. Wappenmünzen-Serie (1167) und ein Kroisos-Stater in Gold aus der seltenen, schweren Serie (1316).
Von historischem Gewicht und großer Seltenheit ist zweifellos auch der Aureus des Octavian aus der Zeit seines Triumvirats mit Marcus Antonius (1443). Nr. 1459 ist ein seltener Denar, der die Portraits des Caligula und seiner Mutter Agrippina I. trägt. Er wurde 1925 auf einer Auktion erworben und war seitdem in Familienbesitz, wie auch Nr. 1467, ein Denar, der die jüngere Agrippina zeigt. Die Ästheten unter den Römersammlern werden sicher den Aureus der Julia Domna mit einer hübschen Rückenansicht der Venus zu schätzen wissen (1529).Unter den Provinzialprägungen schließlich verdient der prachtvolle Cistophor des Augustus eine besondere Würdigung (1596). Die Antikenpartie schließt mit einem Angebot von etwa 60 Lots sowie Literatur zur antiken Numismatik.

Auch in der Sektion der Weltmünzen fallen zwei Sammlungen auf, die der diesjährigen Herbstauktion ihren Stempel aufdrücken. Zum einen der altdeutsche Teil der „Sammlung eines Schwanenfreundes“ und zum anderen der 2. Teil der Sammlung Graichen. Im altdeutschen Teil der Sammlung unseres Schwanenfreundes zeigt sich im Gegensatz zur Komplettheit in der Antikenabteilung die breite Auffächerung der Münzstände und Präge-Epochen, die so charakteristisch für thematische Sammlungen ist. So hat der Sammler über Jahrzehnte aufmerksam das Auktionsgeschehen verfolgt und mit scharfem Blick für das Detail eine Universalsammlung in jedem Preissegment zusammengetragen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Das Leitmotiv des Schwans ist in diesem Kontext jedoch allgegenwärtig. So finden wir den Schwan als Helmzier über dem Hanauer Wappen oder als Münzmeisterzeichen oder schlicht als schmückendes Detail auf dem Fluss vor der Stadtansicht. Ein weiteres Interessensgebiet des Sammlers stellt nebenbei die britische Numismatik dar, die jedoch ganz ohne Schwäne auskommen muss.
In der Sammlung Graichen II stellt ein anderer Sammler, wie in unserer Frühjahrsauktion bereits eindrucksvoll demonstriert, erneut seinen scharfen Blick für Details unter Beweis. Kein Punzierungsfehler, keine falsche Stempelkopplung oder Verprägung blieb vom Sammler unbemerkt. Obwohl das Hauptaugenmerk der Sammlung Graichen bei den deutschen Münzen nach 1871 lag, ist doch eine faszinierende Menge von über 70 Losnummern dabei zusammengetragen worden. Neben den „Irrtümern“ beim Prägen ersteigerte der Sammler jedoch auch mit großem finanziellen Aufwand zahlreiche seltene Fremdmetallabschläge, die in äußerst geringer Auflage zu Repräsentationszwecken in den Prägestätten erschienen sind. Zahlreiche dieser Abschläge, Proben und Punzierungsfehler sind im Standardzitierwerk, dem „Großen Deutschen Münzkatalog“ von Arnold/Küthmann/Steinhilber als Anmerkung erwähnt, und wenn man bedenkt, in welch engem Austausch der Sammler mit vielen Händlern und Sammlerkollegen stand, ist davon auszugehen, dass sich manche dieser Anmerkung auf genau das Exemplar aus der Slg. Graichen beziehen. Der Wert dieser Raritäten ist mangels Vergleichsmöglichkeiten naturgemäß nicht zu schätzen. Daher hat sich die Firma Dr. Busso Peus Nachf. erneut für eine sehr moderate Schätzung entschieden.
Des Weiteren ergänzen viele kleinere Sammlungen und Einzelstücke die Auktion, so dass erneut ein ausgewogenes Angebot an Gold und Silber vom Taler bis zum Heller versteigert werden wird. Kleinere Schwerpunkte bilden eine hübsche Serie Großbritanniens, sowie von Medaillen auf den Dichterfürsten Goethe. Auch eine kleine thematische Sammlung zur Reformation findet sich passim über den Katalog verteilt. Nach den wie üblich zahlreichen Reichsmünzen wird am Ende wie gewohnt ein umfangreiches Angebot an Lots die Auktion abschließen. Diese Lots, wie alle Einzelstücke, können und sollten unbedingt ab sofort in unseren Geschäftsräumen besichtigt werden. Die Teilnahme ist wie gewohnt im Saal, per Ferngebot und per Internet-Livebieten möglich.